von Hedwig Herdes
Unter diesem Titel fand der Leser sowohl in der Coblenzer Zeitung als auch im Rhein- und Moselboten eine ausführliche Schilderung von der beeindruckenden Einweihungsfeier der neu erbauten Karolahöhe am Moselhang von Lay gegenüber Winningen.
An einem regnerischen Sonntag im September 1896 hatte eine illustre Gesellschaft in Koblenz um 15.11 Uhr die noch ziemlich neue Moseleisenbahn bestiegen. In Winningen angekommen, wurden die "würdig aussehenden Herren und mit ihnen ein reicher Damenflor..." herzlich willkommen geheißen. Zur Begrüßung hatten sich zahlreiche Bürger sowie drei Winninger und zwei Layer Vereine eingefunden. Warum dieser "große Bahnhof"?
Die Layer hatten 1895 den Bau eines 6m breiten Weges auf den Berg beendet, der eine herrliche Aussicht ins Moseltal bot. Auf der Suche nach landschaftlich reizvollen Punkten wollte der Coblenzer Verschönerungsverein dort, wo der neue Weg die Höhe des Berges erreichte, einen "Aussichtstempel" errichten lassen. Leiter dieses Verschönerungsvereins war der Koblenzer Oberbürgermeister Emil Schüller. Sollte nicht der zweite Vorsitzende des Vereins, der Stadtverordnete Josef Maria Bucher auf diesen Aussichtspunkt aufmerksam gemacht haben?
Seine Mutter, Maria Ignatia Exius, stammte aus Lay und hatte den reichen, auf der Löhrstraße in Koblenz ansässigen Metzger Josef Bucher geheiratet.
Der ledige Stadtverordnete und Künstler Bucher war einflussreich und vermögend, er förderte besonders das Stadttheater Koblenz und hinterließ diesem nach seinem Tode im Jahr 1914 sein Vermögen in Höhe von einer halben Million Mark. Die Stadt Koblenz würdigte ihn mit einem Ehrengrab (Nr. 19) auf dem Hauptfriedhof.
Der Layer Gemeinderat unter Vorsteher Franz Henrich war begeistert von dem Plan des Verschönerungsvereins, der die veranschlagten Kosten in Höhe von 1200 Mark für das Bauwerk übernehmen wollte. Der Landkreis steuerte 125 M und die Stadt Koblenz 200 Mark hinzu. Martin Göbel aus Lay verkaufte sein Grundstück für den Bau auf der Höhe an die Gemeinde Lay und so wurde im Spätherbst 1895 gegenüber Winningen nach dem Plan des Baurates Mäckler "ein Aussichtstempel auf steilen Streben" erbaut .
Bauunternehmer war der aus Lay stammende Emmerich Beckermann . Gemauert wurde der Turm von den Layer Maurern Emmerich Mader (Maurerpolier bei Beckermann) und Maurer Morbach . Als Eigentümerin des Aussichtsturmes versprach die Gemeinde Lay, "diesen dauernd seinem Zweck zu erhalten und für jedermann zugänglich zu machen" . Um ihre Dankbarkeit zu bekunden, benannten die Gemeindevertreter von Lay den Aussichtspunkt "Carolahöhe". Carola Schüller war die Ehefrau des Koblenzer Oberbürgermeisters und ersten Vorsitzenden des Verschönerungsvereins.
Im August 1896 erfuhr das Bauwerk seine "Krönung". Heinrich Stollwerck (Schokoladen- und Zuckerwarenfabrikant aus Köln) ließ an der Karolahöhe eine eiserne Wendeltreppe anbringen. Berta Stollwerck, die älteste Tochter des Fabrikanten, hatte sich 1888 mit dem Rittmeister von Heddesdorf in Winningen vermählt. Von der Plattform des Turmes genoss man eine herrliche Sicht ins Moseltal und auf Winningen; das Heddesdorf´sche Gut lag geradezu zu Füßen der Karolahöhe. Nach der endgültigen Fertigstellung des "Aussichtstempels" sollte der Turm am Sonntag, den 13. September eingeweiht werden. Wie der Berichterstatter vermerkte, kündigten Trommelwirbel den wohlgeordneten Anmarsch der Gäste, auf der rechten Moselseite von Winningen kommend, den Layern an. Diese folgten freudig dem fahnengeschmückten Zug. Unter Pfeifenklängen und Böllerschüssen erreichte man die Karolahöhe. Es waren dunkle Wolken aufgezogen, doch die 800 Festgäste verfolgten begeistert die Vorführungen des neugegründeten Layer Turnvereins, dessen Mitglieder hoch oben auf der Plattform des Turmes eine Pyramide bildeten. Launige Redebeiträge und Dankadressen wechselten ab mit stimmgewaltigen Liedbeiträgen der Winninger und Layer Männerchöre. Es wird von außerordentlicher Trinkfreudigkeit berichtet! Das gemeinsam gesungene "Mosellied" erschallte weithin ins abendliche Moseltal und kündete den Abschluss des Festes an.
Fröhlich marschierte die weinselige Gesellschaft über Lay nach Winningen zurück, wo die Gäste um 21.00 Uhr den Zug nach Koblenz bestiegen, um so einen letzten Blick auf die wunderschön bengalisch beleuchtete Karolahöhe werfen zu können.
Eine kleine Zeitungsnotiz gibt uns darüber Auskunft, dass bis zur Errichtung des Aussichtsturmes die Höhe am Moselhang [im Volksmund?] Unartskopf geheißen hatte:
UNARTSKOPF
Unartskopf nannte man lieblos dich, freundliche Höhe;
Als Du bescheiden es trugst, strahltest Du weniger nicht.
Aber nun schmückt Dich die Krone, und Königin bist Du den Schwestern,
Da Dir die huldreiche Frau stolzesten Namen verlieh´n.
Lay, 18. Dec. 1895
30 Jahre nach Erbauung des Karolaturms erwiesen die Gemeindeväter von Lay ihr eine besondere Referenz: In der Gemeinderatssitzung vom 28.4.1925 wurde beschlossen, dass die von der Schulstraße zur Karolahöhe führende Straße „Carolastraße“ benannt werden sollte.
Seit Errichtung der Karolahöhe fanden dort oben jedes Jahr volkstümliche Bergfeste („Waldfeste“) und Gau-Turnfeste mit Laufen, Springen, Kugelstoßen und Hangeln statt. Dafür hatte man 6-9 m hohe Balken an der Karolahöhe befestigt und nur die Mitglieder des Turnvereins durften daran hochhangeln . Bei den Sonnwendfeiern an der Karolahöhe während des III. Reiches leuchteten Holzfeuer weit ins Moseltal.
In den zurückliegenden Jahren wurde von der Gemeinde Lay mit Unterstützung des Vereins der Heimatfreunde Lay, der Gemeinde Winningen und besonders der Stadt Koblenz das Versprechen, die Karolahöhe instand zu halten, eingehalten .
Nicht nur die Layer wandern noch immer gerne zur Karolahöhe. Wenn auch die Plattform des Turmes seit 1922 nicht mehr bestiegen werden kann (bei der umfassenden Renovierung hatte man auf die kostspielige Wiederherstellung der eisernen Wendeltreppe verzichtet), so bietet die Karolahöhe immer noch eine herrliche Aussicht in unser schönes Moseltal.
Möge der Wunsch des Festredners bei der Eröffnungsfeier, des Amtsbürgermeisters Hoffmann von Winningen in Erfüllung gehen:
„... daß der Carolathurm, der von so erhabner Höhe auf die liebliche Mosel, auf ihre Rebenhügel und ihre gesegneten Fluren herniederschaut, bis in die fernsten Zeiten Zeuge sein möge von dem Frieden und dem Segen des deutschen Vaterlandes..."