Aus der Rhein-Zeitung vom 26.06.2007:
Gab es am "Schwörmontag" in Lay einen Verräter? Diese Frage beantwortet Dorothee Müller in einem historischen Kriminalroman, der im Moselort spielt. Die Autorin nimmt die Leser mit auf eine spannende Zeitreise ins 17. Jahrhundert, in deren Mittelpunkt die Kriegswaise Katharina steht.
LAY. Der Friede war brüchig und das Land verwüstet. Armut, Not und ausgezehrte Menschen bestimmten nach dem Dreißigjährigen Krieg das Leben im Moseldorf Lay. In dieser aufgewühlten Epoche Mitte des 17. Jahrhunderts spielt der historische Kriminalroman "Katharinas Erbe" von Dorothee Müller, der nun erschienen ist.
Knisternde Spannung, eine einfühlsame, historisch genaue Schilderung der damaligen Verhältnisse und Menschen sowie die Enthüllung lange gehüteter Geheimnisse nehmen den Leser mit auf eine faszinierende Zeitreise. Der in Lay geborenen und aufgewachsenen Autorin bereitete es "ungeheueres Vergnügen", Menschen, Ereignisse, Örtlichkeiten, Gebäude und die Gemarkung des Dorfes in die Handlung einzugliedern. Der Ort Lay, die Mosel und die Stadt Koblenz erfahren eine stimmungsvolle literarische Zuwendung.
Für Dorothee Müller ergaben sich bei ihren Recherchen zum Roman auch weniger erfreuliche Aspekte. Vor allem die Hexenverfolgung war eine schwer verdauliche Kost. "Das Studium von detaillierten Gerichtsakten über Hexenprozesse und die darin geschilderten peinlichen Verhöre waren kaum zu ertragen", so die Autorin. Gleichwohl kam sie an diesem dunklen Kapitel nicht vorbei, es war schließlich die Hochzeit der Hexenverfolgung. Inspiriert durch die Liebe zu ihrem Heimatort, das Studium der Geschichte und nicht zuletzt angeregt durch die Feier zum 1200-jährigen Bestehen des Ortes im Jahr 2003, gelang ihr ein überzeugendes Romandebüt. Vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse taucht der Leser tief ein in große Gefühle und das pralle Leben in einer bewegten Zeit.
Das 397-seitige Werk ist eine packende Geschichte um Menschen, die der lange und unselige Krieg entwurzelt und verändert hat. Die heute noch in Lay, Güls und Moselweiß lebendige Überlieferung um den "Schwörmontag" greift das Buch auf. Als Layer Frauen von marodierenden Söldnern entführt wurden, schworen die Bürger den legendären Eid "Lewer dut als ewich Nut" (Lieber tot als ewig in Not) und nahmen den eigentlich ungleichen Kampf auf. Jedoch: Ein furchtbarer Verdacht drängte sich nach mysteriösen Vorkommnissen auf. Gibt es in Lay einen Verräter, der auf der Seite der brutalen Landsknechte steht?
Mitten in dieser aufregenden Zeit lebt die junge Kriegswaise Katharina in Lay. Bei ihrem Onkel im Tross eines Heeres aufgewachsen, kennt sie die Schrecken des Krieges nur zu gut. Die vermeintlich ruhigere Zeit geht abrupt zu Ende. Für Katharina und ihren Onkel ist der Anführer der Entführer kein Unbekannter ...
Dramatische Ereignisse nehmen ihren Lauf, die den Leser unweigerlich in ihren Bann ziehen.
Dorothee Müller ist 1957 in Lay geboren und lebt seit 20 Jahren in Köln. Die Autorin studierte Geschichte und Germanistik und arbeitete als Antiquarin und Programmiererin. Heute ist sie Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Informatik. Gewidmet hat sie den Roman ihren Eltern Josef und Maria Müller.
Text: Erwin Siebenborn