von Jacob Rieser, Heimatkalendar 1969, Landkreis Koblenz
Vor mehr als 900 Jahren gründete der Kölner Erzbischof Anno 11., welcher zugleich auch Reichsverweser für den jugendlichen Kaiser Heinrich IV. war, auf dem Michaelsberg, an der Grenze zwischen dem mittelrheinischen Bergland und der niederrheinischen Tiefebene, das erstmals im Jahre 1064 urkundlich erwähnte Benediktinerkloster Siegburg. Als Stiftungsgut schenkte der Kölner Kirchenfürst dem neugegründeten Kloster nach einer Urkunde aus dem gleichen Jahr (1064) den Ort Güls an der Mosel, wodurch die Abtei Siegburg Grund- und Gerichtsherr des Dorfes Güls wurde.
Zunächst berief der erzbischöfliche Stifter Benediktiner aus St. Maximin zu Trier auf den Michaelsberg, die er jedoch bald ehrenvoll entließ und durch Benediktinermönche aus dem Kloster Fructuria bei Turin ersetzte. Schon den drei ersten Äbten, Erpho, Reginhard und Kuno, der später Bischof von Regensburg wurde, gelang es, das neugegründete Kloster in wenigen Jahrzehnten zu einer der bedeutendsten Abteien des Rheinlandes auszubauen, deren Ausstrahlungskraft bis in unser Heimatgebiet hineinreichte. An vielen Orten wurden Propsteien gegründet, davon im Mittelrheingebiet Hirzenach und Remagen. Abteiliche Eigenkirchen entstanden am Niederrhein und in Westfalen sowie in Lay an der Mosel.
Im Jahre 1095 kam Reginhard, der zweite Abt von Siegburg, teils durch Kauf, teils durch Schenkung in den Besitz eines großen Hofgutes zu Lay, "quae Franeorum lingua Selehof dici tur". Für den größten Teil desselben, mit Leuten, (Hörigen), Wald, Äckern und Rechten, zwischen Laubach und Königsbach gelegen, bezahlte er einhundert Mark. Dabei waren amtlich zugegen zwei Abgeordnete des Pfalzgrafen Heinrich bei Rhein. Abt Reginhard behielt sich das Patronats recht der Pfarrkirche, welche auf dem Grund und Boden des Selehofes stand, ausdrücklich vor. Dieserhalb aber geriet er in Streit mit dem Frauenkloster Kaufungen, dem Kaiser Heinrich 11. schon im Jahre 1019 den Ort "Legia" (Lay) samt dem Kirchenpatronat geschenkt hatte und das das Patronatsrecht seit dieser Zeit auch ungehindert ausübte.
Erst unter dem Trierer Erzbischof Theoderich von Wied wurde die Sache zwischen den streitenden Parteien durch den Vertrag vom Jahre 1241 dahin verglichen, dass das Frauenkloster Kaufungen, zweimal nacheinander, und die Abtei Siegburg zum dritten Male die Pfarrstelle zu Lay besetzen solle. Auch erhielten die beiden Klöster den größten Teil des Pfarrzehnten für ihre zahlreiche Brüder- und Schwesternschaft. Im Laufe der Zeiten gelang es der Abtei Siegburg jedoch, das Frauenkloster Kaufungen zum größten Teil aus seinem Layer Besitz und seinen Rechten zu verdrängen. Erst als im Jahre 1440 das Patronatsrecht an der Layer Pfarrkirche dem Stifte Münstermaifeld inkorporiert wurde, fand der Jahrhunderte alte Streit zwischen den beiden klösterlichen Rivalen ein Ende.