Die Familie Mostert

von Hedwig Herdes

Haus Löwenburg, später als Hotel genutzt

Seit 1917 bewohnte der begüterte Koblenzer Zigarrenfabrikant Alfons Mostert (Niederlassungen in Zell, Briedel, Kaimt und Hillscheid) mit seiner Familie das Haus "Löwenburg" in Lay. Zu dem Gut gehörte ein großer Baumgarten (er bietet heute 5 Wohnhäusern Platz).
Es lässt sich heute kaum noch ermessen, wie segensreich die Familie Mostert in Lay wirkte - einem der ärmsten Orte des Landkreises. Durch die weitreichenden Beziehungen und Bemühungen Alfons Mosterts - auch die Gewährung eines Kredites in Höhe von 10.000 Mark konnte der Ort endlich an das Wasser- und Stromnetz angeschlossen werden.
Der dringend notwendige Kirchenanstrich, die Anschaffung einer Kirchenuhr, ein hoher Beitrag zum Kriegerdenkmal, Bescherungen zur Weihnachtszeit mit Schuhspenden für Kriegswaisen sind nur einige der Wohltaten der Familie. Sie half vielen Dorfarmen im Stillen.
In dem großen Haus mit Blick auf Fähre und Mosel wohnte sehr oft eine Schwester des Fabrikanten, die ledige Schriftstellerin Johanna Gisberta Mostert. Bekannt sind zahlreiche Werke, die unter ihrem Pseudonym "Hanns Gisbert" erschienen sind. Johanna Gisberta war Mitglied des Deutschen Schriftstellerinnenbundes, ihre literarischen Werke findet man z.B. im Deutschen Literaturlexikon. Hier in Lay, in der "Löwenburg" entstanden u.a. ihre preisgekrönten Landschaftsnovellen: "Von Moselwind und -wellen" und "Schiffsleut an der Mosel" und vieles mehr.
Johanna Gisberta war eine mitfühlende, tätige Frau. Sie half in Koblenz bei der Betreuung armer Kinder während des I. Weltkrieges, beteiligte sich in der "Nationalen Frauenhilfe" und half verwundeten Soldaten im Lazarett.

Erstaunlich modern, Johanna Gisberta Mostert, Mitglied und Schriftführerin im "Coblenzer Frauenrat", der nach dem I. Weltkrieg ins Leben gerufen wurde. Dieser warb u.a. dafür, dass sich die Frau - seit 1919 erstmalig wahlberechtigt - politisch informieren und einbringen solle.
Ein brutaler nächtlicher überfall raubender und plündernder Separatisten beendete im Jahre 1923 den Aufenthalt der Familie Mostert in Lay.

Separatisten - auch in Lay

Nach dem I. Weltkrieg hatten vier Jahre lang amerikanische Truppen die Stadt Koblenz besetzt. Nach deren Abzug im Januar 1923 kamen französische Besatzer mit der Mission, den besetzten linksrheinischen Teil vom deutschen Reich zu trennen. Dies führte zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Vaterlandstreuen und Anhängern des Separatismus. Im Herbst 1923 unternahm die "Vereinigte rheinische Bewegung" Putschversuche in Trier und Aachen. Unter dem Schutz des französischen Militärs besetzte man am 23. Oktober 1923 das Koblenzer Schloss und bildete unter Leitung von Josef Matthes eine "Vorläufige Regierung der Rheinischen Republik". Diese fand bei der Bevölkerung keinen Anklang und so war der Putsch bereits Ende November 1923 beendet. In dieser Zeit kam es auch zu einem Überfall der Separatisten in Lay. Lehrer Gorges hielt fest, wie es dazu kam:

"Joseph Bl. [Name auch in der Folge gekürzt] aus Lay, Sohn von Nikolaus Bl. hatte sich in Coblenz den Separatisten angeschlossen. öfters kam er mit grüner Mütze und mehreren Sonderbündlern in sein Vaterhaus, Lückenstraße, in dem es dann lustig herging. Am 7.11.1923 nun kam es an der Mosel (Fähre) zu einem Wortwechsel zwischen Bl. und Philipp Göbel (Sohn des Metzgers Andreas Göbel) und Wilhelm Sackenheim. Die Schimpfereien gingen alsbald in Tätlichkeiten über. Bl. erhielt von der Fähre bis an den Herrgott [Kreuz am Eingang von Lay] eine Tracht Prügel. In Coblenz angekommen, hetzte nun Bl. seine Parteigänger zu einem Überfall [in Lay] auf.
Den gesuchten Philipp Göbel fanden sie nicht, aus Wut mißhandelten sie nun den Vater und nahmen ihn und den Bruder Joseph im Auto mit nach Coblenz, desgleichen Sackenheim. Andreas Göbel lag längere Zeit im Krankenhaus."

In dieser Nacht, dem 7.11.1923 überfielen die Separatisten auch die Familie Mostert. Dazu der Chronist in der Schulchronik:

"Herr Mostert und Frau wurden mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, aufzustehen und mußten - nur mit Hemd bekleidet - die Plünderer durchs Haus führen... Die Gesundheit von Frau Mostert hatte in dieser Schreckensnacht so sehr gelitten, daß sie um keinen Preis mehr hier wohnen bleiben wollte..."

Layer Bürger gründeten am Tag nach dem überfall - am 8.11.1923 - zum Schutz vor derartigen Überfällen eine Bürgerwehr. In Lay erinnert seit 1992 der "Mostertplatz" an die Schriftstellerin Johanna Gisberta Mostert und die Familie Mostert.