Layer Ortsvereine

Vereine. Ursprünge, Aufgaben, Möglichkeiten

Haben Sie schon mal einen Verein gegründet? Oder haben Sie eine Vorstellung, wie das geht?

Es ist ein abenteuerliches Wagnis: Viele Vorgespräche sind zu führen, um Interesse zu wecken, Gleichgesinnte zusammenzubekommen, Ängstliche und Kleingläubige zu überzeugen, übertriebene Begeisterung und zu hohe Erwartungen zu dämpfen; diskutieren, ermuntern, selbst daran glauben, schreiben, zuhören können, Missverständnisse ausräumen, Ärgernisse überbrücken, Abneigungen überwinden, Sympathien oder Aversionen im Interesse der Sache zurückstellen, Geldquellen entdecken, vielleicht einen Kredit aufnehmen, eine Satzung besprechen, erarbeiten, beschließen, ein Ziel ansteuern, es endlich auch erreichen…

Die Gründung eines Vereins und seine Weiterführung, das sind ernste und mit tausend Schwierigkeiten verbundene Leistungen, deren wert wir gar nicht hoch genug einschätzen können.
Denn: Die Vereine sind es, die Leben und Schwung in ein Dorf bringen. Ohne sie sähe es trostlos aus, schlaff, müde. Kaum Blumen an Häusern und in Vorgärten, keine Fahnen an den Festtagen, keine Musik auf Straßen und Gassen; Kappensitzung und Straßenkarneval wären Fremdwörter aus dem Fernseher; körperliche Fitness, Sport, Spiel, Geschicklichkeitstraining: Fehlanzeige! Soziale und technische Gemeinschaftsaufgaben blieben ungelöst; die Liebe zu Natur und Heimat, wer würde sie wecken und fördern können?

Nicht nur, dass in seinem Verein jeder seinem Hobby nachgeht, neue Anregungen empfängt und weitergibt - hier finden auch wichtige Kommunikationsübungen, menschliche Begegnungen statt zwischen Alt und Jung. zwischen Eingesessenen und Neubürgern, zwischen Kindern und Jugendlichen, zwischen gleichen und verschiedenen Interessen. Da wird diskutiert und gelacht, manchmal auch gestritten und schließlich zielgerichtet angepackt und mitgemacht. Und danach wird natürlich das Feiern nicht vergessen!

So wird dörfliche Gemeinschaft gebildet und gestärkt durch Gespräche, durch gegenseitiges Verstehen, durch gemeinsame Aktionen. In unserer Zeit der Hetze und Unrast, die uns jeden Tag aufs neue antreibt und fordert, ist - neben der Familie - der Verein eine Insel der Besinnung und des Ausgleichs. Jeder braucht die ideellen Bindungen, jeder schätzt das Gefühl, dem Kameraden vertrauen zu können, sich in der Gemeinschaft zu erholen und Gemütswerte zu erfahren.

Die ersten Vereinsgründungen im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts sind als Gegenbewegung, als Auflehnung gegen die Restauration nach den Befreiungskriegen (bis 1814) zu verstehen. Waren sie vorerst noch als Mittel der Leibesertüchtigung des Volkes gedacht (Turnvater Jahn) oder als tragende Elemente deutscher Kultur (Pflege des Volkslieds in sogen. Liedertafeln oder Gesangsvereinen), so dienten sie später - nachdem die Märzrevolution 1848 niedergeschlagen und die Hoffnungen des deutschen Volkes auf demokratische Mitbestimmung zusammenkartätscht waren - als Rückzugsmöglichkeiten in die Gemeinschaft Gleichgesinnter. Dieses freiheitlich-demokratische Gedankengut wurde jedoch bald absorbiert, abgelöst durch eine einseitige königstreu-vaterländische Indoktrination im hurrapatriotischen Polizeistaat der preußisch-deutschen Monarchie. Immerhin konnten sich in der Weimarer Republik und nach dem II. Weltkrieg die wahren Werte und Ideale wiederbeleben, wie sie sich in dem vielschichtigen Angebot unserer heutigen Vereinslandschaft widerspiegeln.

Im Folgenden werden sich Layer Vereine und Korporationen vorstellen. Jeder, jede ist ein autonomes Gebilde mit eigenen Ansprüchen, Aufgaben und Interessen. Aber zum Wohl der Dorfgemeinschaft arbeiten alle zusammen unter dem gemeinsamen Dach des Ortsrings. Auf dieser breiteren Basis können sie ausstrahlen auf die Nachbarschaft, können sie kooperieren mit Brudervereinen jenseits der Gemeindegrenzen und somit beitragen, friedliches Zusammenleben im Kleinen wie im Großen zu lernen, einzuüben und zu praktizieren.

Quelle: Hermannjosef Wies in „Aus der Geschichte des Ortes Lay an der Mosel“, Seite 309f.
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lay e.V., 2003
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Kulturvereins Lay e.V.