Layer Ortsvereine

Turn- und Sportverein 95/19 e.V. Lay

Turn- und Sportverein 95/19 e.V. Lay

Wir wissen nichts von arm und reich,
von Titeln, Rang und Stand,
Turnbrüder sind in allem gleich,
ihr Gut ist’s teure Vaterland.

Diesen Prolog stellten die "Pioniere des Sports" am 1.8.1895 der Gründungsurkunde des Turnvereins Lay voran. Franz Blaumeiser, Josef Thielmann, Jakob Weimbs, Karl Reick, Johann und Andreas Göbel, Martin Selbach, Johann und Josef Honsdorf, Jean Beckermann und Karl Mader gründeten den Verein. Eine detaillierte Satzung und eine strenge Turn-Ordnung regelten das Vereinsleben. Auch die damals beim Militär eingeführte Disziplin "Turnen", Vorläufer des heutigen Dienstsports, war ein Grund für die Vereinsgründung. Man wollte sich optimal vorbereiten. Der erste öffentliche Auftritt ergab sich bei der Einweihung des Layer Wahrzeichens, des Carolaturmes. Die noch junge Formation ließ es sich nicht nehmen, eine in der damaligen Zeit beliebte Turn-Demonstration, eine menschliche Pyramide auf das stattliche Anwesen zu stellen.

Mangels Halle oder Saal übte man in einem Hof in der heutigen Schwörstraße. Der sportliche und vor allem finanzielle Erfolg ermöglichte es endlich, vereinseigene Turngeräte zu beschaffen. Fleißige Trainingsarbeit und beherzte Initiativen der Vereinsführung führten die Layer Riegen in den folgenden Jahren oft auf das Siegertreppchen. 1903 wurde erstmals mit einem "festen Dach über dem Kopf" trainiert. Zunächst im Saal des Gasthauses "Zum Anker" und später in der "Linde". Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1912, bis der Untermosel-Turngau dem TV Lay zutraute, das GauTurnfest zu organisieren.

Durch Ausbruch des I. Weltkrieges 1914 konnte der Verein seine Arbeit nur mühsam weiterführen. Viele Aktive mussten ins Feld und acht von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Die Solidarität in der Not wurde jedoch eindrucksvoll demonstriert. So erhielten die "Turnbrüder im Felde" Pakete mit nützlichem Inhalt wie Tabak oder Wollsachen. Darüber hinaus wurden die Angehörigen unterstützt.

Von 1923 an führte Peter Müller achtzehn Jahre lang den Verein. Unter seiner Führung wurde auch das Handballspiel in den Sportbetrieb aufgenommen. Zunächst wurde im "Giefenacker" auf dem Gelände der späteren Raiffeisenkasse trainiert und gespielt. Den älteren Mitbürgern ist dieses Gelände noch als "Turnplatz" bekannt.

Neue sportliche Entwicklungen fanden auch in Lay Widerhall. Schon 1913 formierte sich eine "Gegenbewegung" zum Turnen. Unter der Führung von Joseph Goßler hob sich ein "Athletik-Sportclub Lay" aus der Taufe. Regelmäßige Leibesübungen und Pflege der Leichtathletik mit "Sport- und Fußgängen" bildeten den Vereinszweck. Die Formation. hatte allerdings nur eine kurze Lebensdauer. Noch bevor der Sportbetrieb aufgenommen wurde, löste sich der Verein wieder auf. Grund: Die Einberufung des Vorsitzenden zum Wehrdienst. Nach dem I. Weltkrieg waren die Athleten auf dem Vormarsch. Vor allem Mannschaftsspiele mit dem Ball fanden bei der Jugend Anklang. Da sich der Turnverein aufgrund seiner starren Ordnung solchen Wünschen widersetzte, kam es 1919 zur Gründung des "Sportvereins 1919 Lay" unter Führung von Wilhelm Rott. Es bildete sich sofort eine Fußballmannschaft.

1930 kam es zum ersten Zusammenschluss beider Vereine unter dem Namen "Turn- und Spielverein 1895". Aus der beabsichtigten Stärkung des Sportes in Lay wurde allerdings nichts. Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten zwischen "gestandenen" Turnern und "forschen" Ballspielern störten die Harmonie und die sportlichen Aktivitäten. Die Fußball- und Handballmannschaften lösten sich wieder auf. In den 30er Jahren dominierten Turnen und Leichtathletik.

Der II. Weltkrieg bedeutete wieder einen gravierenden Einschnitt. Die Vereinstätigkeit war lahm gelegt und wurde 1945 sogar verboten. In der Turnbewegung sah die französische Besatzungsmacht nationalistische Tendenzen. Der Sportverein konnte bereits 1946 mit Tischtennis und Fußball den Betrieb wieder aufnehmen. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage handelte der Vorstand schnell und entschlossen. Um dem Fußballsport seine Existenz zu sichern, kaufte und pachtete man Grundstücke in der "Breitwiese" (Gemarkung Güls). In Eigenarbeit und unterstützt von zwei Pferdegespannen wurde das Spielfeld planiert. Sogar eine Kugelstoß-, Weit- und Hochsprunganlage wurde angelegt. Die festliche Einweihung des Platzes am Ostermontag 1949 ist den älteren Mitbürgern gewiss noch in guter Erinnerung.

Das Turnen wurde erst 1951 wieder gestattet. Sofort formierte sich der "alte" Turnverein wieder neu. Der 1946 ins Leben gerufene Sportverein (SV) sah sich jedoch als Rechtsnachfolger des 1930 gegründeten "Turn- und Spielvereins". Man schlug den Turnern vor, es noch einmal mit einer Fusion zu versuchen. Der Gedanke fand zunächst keine große Gegenliebe. Im Interesse der Sache gelang es den Vorständen, über den eigenen (Vereins-)Schatten zu springen. Nach mehreren gemeinsamen Besprechungen bildete man auf einer außerordentlichen General-Versammlung am 9. März 1952 einen gemeinsamen Vorstand. Der Verein nannte sich unter Vorsitz von Adolf Steffens fortan „Turn- und Sportverein 95/19 Lay. (TSV)“. Die Rhein-Zeitung kommentierte: "Die Vernunft hat gesiegt!“

Erst mit dem Bau einer Schule 1960 steht dem TSV in der Aula wieder ein Platz zum (bedingten) Turnen zur Verfügung. Das Interesse war groß. Auch eine Leistungsriege im Kunstturnen nahm erfolgreich an Wettkämpfen teil. Trotz widriger Trainingsverhältnisse erturnten sich die Sportlerinnen des TSV sogar Gau-Meisterehren.

Zurück zum Sportstättenbau. Nach einigen Jahren der Spielzeit auf der gegenüberliegenden Moselseite wurde die Anbindung immer problematischer. Spiel- und Trainingsausfälle waren die Folge. Deshalb strebte der Verein 1956 einen Sportplatz "In der Bley" an. In topographisch schwierigem Gelände zwar, aber es war sonst kein (bezahlbares) Terrain zu erwerben. Erst 1963 konnte ein provisorisches Spielfeld "In der Bley" seiner Bestimmung übergeben werden. Mit der Eingemeindung von Lay in die Großstadt Koblenz wurden die Weichen für den Bau des heutigen -vorbildlichen - Platzes gestellt. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Hellmut Rübel war es vor allem Josef Göbel, der mit "langem Atem" und vielen Anläufen die vielen (Verwaltungs-)Hürden nahm. Geschaffen wurde nach umfangreichen Gelände-Ankäufen ein Platz mit den vorgeschriebenen Maßen des Fußball-Verbandes.

Stolz ist der TSV auf sein Sportlerheim. 1986/87 schuf der Verein am Sportplatz in fast 9000 freiwilligen Arbeitsstunden seiner Mitglieder mit finanzieller Unterstützung von Stadt und Land ein Dusch- und Umkleidegebäude mit einem Trainingsraum im Dachgeschoss. Das Haus ist ein wertvoller Beitrag für den sportlichen, sozialen, auch für den geselligen Anspruch des Vereins. "Motoren" für diese Aktion waren vom TSV Josef Göbel, Norbert Berresheim, Josef Siebenborn sowie Ortsvorsteher Hellmut Rübel. Unter dem Vorsitz von Josef Siebenborn wurden weitere Sportarten angeboten.

Quelle: Josef Siebenborn in „Aus der Geschichte des Ortes Lay an der Mosel“, Seite 328f.
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lay e.V., 2003
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Kulturvereins Lay e.V.

Ergänzende Informationen: