Adelsfamilien und das Layer Wappen

von Rolf Morbach

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Lay an der Mosel

Im Mittelalter gab es in Lay neben den Hofgütern der Klöster und Stifte auch Höfe adliger Familien. Diese waren dem niederen Adel zuzurechnen und sie gehörten zum Teil dem Ritterstand an. Sie nannten sich nach ihrem Wohnort "von Leye" und führten ein Wappen, das sie auch als Siegel nutzten. Das Wappen war im Mannesstamme vererbbar und wurde üblicherweise vom erstgeborenen Sohn unverändert übernommen. Für das 13. Jh. lassen sich erstmals Angehörige dieser Familien in Lay nachweisen. Aus Urkunden jener Zeit sind uns die nachstehenden Layer Adelsfamilien überliefert.

Ritter Bertram von Lay, "Bertramus miles de Leye"
Am 20. Februar 1237 beurkundete Erzbischof Theoderich von Trier die Schenkung von zwei Weinbergen durch den Ritter Bertram von Lay und seiner Frau Herburge an das Kloster Rommersdorf. Eine weitere Schenkung von zwei Layer Weinbergen des Ritters Bertram und seiner Frau an das Kloster Himmerod bestätigte Erzbischof Theoderich unter dem gleichen Datum.

Ritter Herrmann von Lay, "Herrmannus miles de Leye"
Schultheiß und Schöffen der Stadt Koblenz beurkundeten am 29. Juni 1278 dem Ritter Herrmann von Lay und seiner Hausfrau Aleyde den Verkauf ihres Weinbergs zu "Leye im Volrade" an den Deutschen Orden in Koblenz.

Wepeling [Dienstmann] Print von Lay, "Prynt von Leye"
Nach einer Urkunde vom 14. Dezember 1386 lieh Wepeling Print von Lay vom Stift St. Florin zu Koblenz 100 Gulden und schuldete dem Stift dafür eine jährliche Rente von fünf Gulden.

Wepeling Giselbrecht von Lay, " Gyselbrecht von Leye"
Am 24. Dezember 1391 verkauften Eheleute zu Güls dem Giselbrecht von Lay Wingerte in der Gülser Mark. Die Gülser Schöffen siegelten die Urkunde. Ebenso verkauften Georg von Polch und seine Frau dem Giselbrecht von Lay und seiner Frau Loretta Besitzungen in der Gülser Mark. Die Urkunde ist datiert auf den 11. Dezember 1401 , es siegelten die Schöffen zu Güls. Am 5. Februar 1406 übertrugen Heinrich und Henne und ihre Ehefrauen dem Giselbrecht von Lay und seiner Frau Loretta sowie seinem Bruder Herrmann ihre Güter in der Gülser Mark. Die Schöffen zu Güls siegelten die Urkunde.

Junker Wilken von Lay, "Wilken von Leye" war 1436 Schöffe in Koblenz.

Von den oben genannten Adelsfamilien sind uns die Wappen des Print von Lay, des Giselbrecht von Lay, und des Junker Wilken bekannt.

Wappen Layer Adelsfamilien

Während die bisher genannten Adelsfamilien in Lay weitgehend unbekannt blieben, wurde eine Layer Adelsfamilie dadurch bekannt, dass ihr Siegel als Vorlage für das Layer Gemeindewappen diente. 1304 wurde erstmals in Koblenzer Urkunden die Familie des Heinrich von Leye erwähnt. 1319 und 1320 trat Heinrich von Leye als Schöffe zu Koblenz auf. Urkunden aus dieser Zeit sind noch erhalten, die Siegel sind beschädigt bzw. fehlen. Am 29. Dezember 1322 siegelte Heinrich von Leye als Koblenzer Schöffe eine Urkunde, nach der Heinrich, genannt Heydene und seine Frau Aleyde aus "Gulse" (Güls) bekundeten, dass Komtur und Brüder des Deutschen Ordens in Koblenz ihnen die Insel im Moselstrom gegenüber" Wiss" (Moselweiß) in Erbpacht überlassen haben. Der Urkunde hängen die gut erhaltenen Siegel der Schöffen "Godebertus" und "Henricus de Leyge" an. Das letztgenannte Siegel wurde 1938 vom Rat der Gemeinde Lay als Vorlage für ein Wappen gewählt. Das Siegel des Heinrich von Leye zeigt eine Rose mit Butzen und Kelchblättern, darüber einen dreilätzigen Turnierkragen. Da über die Familie dieses Adligen wenig bekannt ist, lässt sich heute nicht sagen, welche Bedeutung diese Wappenbilder hatten. Die Rose ist ein oft benutztes Wappenbild (eine der meistgebrauchten Hauptfiguren) und der Turnierkragen wurde häufig als Unterscheidungsmerkmal gegenüber ähnlich aussehenden Wappen hinzugefügt. Es ist jedoch auch möglich, dass hier der Turnierkragen auf die ritterliche Abstammung der Familie hinweisen soll.

Wie war es zur Auswahl des oben erwähnten Siegels als Vorlage für ein Layer Wappen gekommen? Ursprünglich hatten Gemeinderat und Bürgermeister entsprechend den Recherchen des damaligen Layer Lehrers Alfons Doberschütz einem anderen Vorschlag zugestimmt, nämlich dem Siegel des Layer Schöffengerichtes. Diese Institution, bestehend aus sieben Schöffen und einem Schultheiß, war vom 14. Jh. bis ins 18. Jh. in Lay eingerichtet. Das Gericht führte ein eigenes Siegel, es zeigte St. Martinus, den Patron unserer Pfarrkirche, seinen Mantel mit dem Schwerte teilend. Die älteste Urkunde, der noch das Schöffensiegel anhängt, stammt vom 27. August 1377.7 Zwei Abdrücke dieses Siegels sandte der Bürgermeister der Gemeinde Lay am 23. Januar 1934 der Amtsverwaltung in Winningen als Wappenvorschlag zu. Nach dem Beschluss des Gemeinderates bat der Bürgermeister am 8. Juni 1934 die Amtsverwaltung, die notwendigen Schritte zur Verleihung dieses Wappens einzuleiten. Nachfolgend stimmten das Staatsarchiv Koblenz und das Geheime Staatsarchiv Berlin dem Vorschlag zu. Der Landrat hatte ebenfalls keine Einwände und legte den Wappenvorschlag dem Regierungspräsidenten in Koblenz zur Genehmigung vor. Doch dieser lehnte das Wappen am 31. Juli 1935 mit folgender Begründung ab: "Das Symbol (Heiliger) scheint wenig geeignet, als Wappenfigur und Bild eines vom Staat verliehenen Hoheitszeichens zu dienen. Ich bitte um andere Entwürfe." Der Bürgermeister der Gemeinde Lay bat daraufhin das Staatsarchiv Koblenz um einen neuen Vorschlag für ein Wappen.

Am 20. Juli 1938 unterbreitete das Staatsarchiv Koblenz der Amtsverwaltung in Winningen einen neuen Vorschlag für ein Layer Wappen. Dieser beinhaltete einen der Länge nach gespaltenen Wappenschild, der auf der rechten Seite das Siegel des Heinrich von Leye und auf der linken Seite einen goldenen Rebstock zeigte. Der Amtsbürgermeister leitete den Vorschlag an die Gemeinde Lay zur Prüfung weiter. Am 9. September 1938 beschloss der Gemeinderat unter Leitung seines Bürgermeisters Jakob Reick, das Wappen in der heute bekannten abgewandelten moderneren Form zu beantragen (ohne gespaltenen Schild und ohne Rebstock). Nachfolgend stimmten der Amtsbürgermeister in Winningen und der Landrat diesem Vorschlag zu. Bevor dem Regierungspräsidenten in Koblenz dieses Wappen zur Genehmigung vorgelegt werden konnte, musste das Koblenzer Staatsarchiv die Stellungnahme des Geheimen Staatsarchivs in Berlin einholen. Mit Schreiben vom 4. Januar 1939 teilte das Geheime Staatsarchiv mit" ...Ich bin mit dem Entwurf grundsätzlich einverstanden, gebe aber zu erwägen, ob nicht der Turnierkragen besser fortgelassen würde, da dieses Beizeichen für eine Gemeinde keinen rechtlichen Sinn hat...". Diese Bedenken hatten jedoch keinen Einfluss auf den weiteren Genehmigungsgang. Mit Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 6. Februar 1939 wurde der Gemeinde Lay das Wappen verliehen. Das Geheime Staatsarchiv Berlin forderte jedoch am 1. Februar 1939 das Koblenzer Staatsarchiv nochmals energisch auf, den Turnierkragen als ein Symbol, das weder "...dem Volke gemeinverständlich noch für die betreffende Körperschaft charakteristisch..." sei, wegzulassen. Für die Verleihung kam dieser Brief zu spät und der nachfolgende Schriftverkehr, der sich bis Mai 1939 hinzog, blieb ohne Auswirkungen.

Beschreibung des Wappens: Auf schwarzem Schild eine silberne Rose mit goldenen Butzen und grünen Kelchblättern, oben belegt mit einem roten dreilätzigen Turnierkragen.

Der "amtliche Lebenslauf" des Layer Wappens ist kurz. Nachdem am 6. Februar 1939 die Gemeinde Lay die Berechtigung zur Führung eines Wappens erhalten hatte, ließ der am 1. September d. J. ausgebrochene II. Weltkrieg das Wissen um die Existenz dieses Wappens kaum aufkommen. Auch in der Nachkriegszeit nutzte die Gemeindeverwaltung das Wappen nicht als Siegel, wie dies ursprünglich vorgesehen war.

Ganz im Gegenteil: Man wollte das Wappen nicht haben. Vielleicht lag es daran, dass die Verleihung in der Vorkriegszeit erfolgte und vieles, was in jener Zeit geschah, nach dem Ende des Krieges aus einem anderen Blickwinkel gesehen wurde. Jedenfalls befasste sich der Gemeinderat am 1. August 1950 mit dem 1939 verliehenen Wappen und lehnte dieses als Gemeindewappen ab. Der Rat strebte ein neues Wappen an, als Wappenbild war die Carolahöhe und darunter eine Weintraube in der Diskussion. In seiner Sitzung vom 22. November 1950 bekräftigte der Rat den Wunsch nach einem neuen Wappen und beschloss, ein neues Wappen entsprechend dem am 1. August diskutierten Vorschlag zu beantragen. Doch offensichtlich erfolgte diese Beantragung nicht, denn am 12. November 1963 diskutierte der Gemeinderat erneut über die Verleihung des Wappens und man dachte nun darüber nach, das Layer Gerichtssiegel als Wappen einzuführen. Der Rat traf jedoch keine Entscheidung und vertagte das Thema. So blieb es bei dem verliehenen Wappen.

Am 7. November 1970 verlor die Gemeinde Lay ihre Selbständigkeit und wurde ein Stadtteil der Großstadt Koblenz. Mit diesem Datum büßte das Layer Wappen seine offizielle Gültigkeit ein, bevor es in der Gemeinde angenommen worden war.

Heute sind es im wesentlichen die Ortsvereine, die die Erinnerung an das Layer Wappen pflegen. So führen der 1972 gegründete Schützenverein St. Martin und der 1950 gegründete Verein der Heimatfreunde das Layer Wappen in ihren Vereinsfahnen. Der Verein der Heimatfreunde ließ erstmals 1981 Fahnen herstellen, die auf grün-weißem Grund das Layer Wappen tragen und bei Festen das Ortsbild verschönern.